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So wie das Bier, die Weißwurst und die Lederhose gehört auch die bayerische Fassadenmalerei zu den besonderen Phänomenen dieses süddeutschen Bundeslandes. Besonders im Alpenraum sind die kunstvoll mit Malereien verzierten Bauwerke allgegenwärtig.

Die Lüftlmalerei ist eine volkstümliche Variante des Trompe-l’œil (Scheinmalerei) aus dem Barock, und imitiert Architekturelemente. Eingebettet sind, wie in der Hocharchitektur, auch bildliche Kartuschen, Spiegel und Felder. Deren Sprachschatz erstreckt sich vom Hauspatron oder Hauszeichen über biblische Darstellungen bis hin zu den klassischen Motiven der Bauernmalerei aus dem ländlichen Alltag und der Jagd. Auch Spruchbänder mit Wahlsprüchen sind verbreitet. Weiters ist die Sonnenuhr beliebtes Element. Die Bilder werden dabei in einer Freskotechnik auf den frischen Kalkputz aufgetragen, wobei die Farben in einer chemischen Reaktion mit dem Putz verkieseln und die Gemälde lange Zeit überdauern können. Heute werden auch andere wetterfeste Malmittel verwendet.

Grainau

Die farbige Gestaltung der Hausfassaden sollte zum einem die Illusion von Architektur - Säulen, Treppenanlagen, Fenster und Türen - vermitteln, die gar nicht vorhanden war. Zum anderen wurde mit der Darstellung von Heiligen und biblischen Szenen auf den Außenwänden die Gläubigkeit der katholischen Bevölkerung dargestellt.

Bad Tölz  
In einigen Ortschaften reiht sich ein bemaltes Haus an das andere, sodass man sich inmitten eines Freilichtmuseums zu befinden scheint. Die Art und Weise der Ausführung ist jedoch einzigartig und wird in ihrer landestypischen Variante als Lüftlmalerei bezeichnet.

 Bad Tölz

Bemalt werden Fassaden bereits seit Urzeiten. Eine besondere Herausforderung bilden dabei natürlich die Unbilden des Wetters. Bewährt hat sich die Freskotechnik, bei der die Farbe auf den frischen, noch ungebundenen Putz aufgetragen wird und sich dadurch massiv mit dem Untergrund verbindet.

 Lüftlmalerei

Bereits in der Antike wurde diese Technik angewendet. Im heutigen Bayern verbreitete sich die Freskotechnik besonders stark im Mittelalter. Eine Modeerscheinung dieser Zeit war das Aufmalen von nicht vorhandenen Architekturelementen auf den Burgen und Herrensitzen der Feudalherren. Dieser Malstil wird Illusionsmalerei genannt.

Bad Aibling

Ein sehr gut erhaltenes Beispiel aus dieser Zeit ist das Hohe Schloss in Füssen. Gemalte spätgotische Fenster- und Türeinfassungen sowie künstliche, wappenverzierte Erker geben der ursprünglich relativ unscheinbaren Burgfassade ein schlossartiges Aussehen
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Oberammergau

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Die typisch bayerische Lüftlmalerei entstand im 18. Jahrhundert. Vorbild war wahrscheinlich die damalige Handelsmetropole Augsburg. Hier hatten die reichen Kaufleute während der Renaissancezeit die Illusionsmalerei übernommen und verfeinert.

Mittenwald bildet ein traditionelles Zentrum der bayerischen und tiroler Lüftlmalerei. Deshalb kommt man in diesem Ort, der eigentlich wie eine Stadt aussieht, allerdings nur Markt- und kein Stadtrecht besitzt, überall an kunstvoll gestalteten Fassaden vorbei. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die ersten Bauwerke mit aufwendigen Malereien im Stil von Barock und Rokoko verziert.

Bis zum heutigen Tag wird dieser Brauch kontinuierlich fortgesetzt. So ist gegenwärtig ganz besonders stark die hiesige Künstlerfamilie Pfeffer an der Gestaltung von Mittenwald und seinem Umland beteiligt. Hierbei hat sich allerdings die angewandte Technik geändert. Früher wurde die Farbe unter Anwendung der besonders haltbaren Freskotechnik auf den frischen, noch feuchten Putz aufgetragen, heute hingegen werden die Kunstwerke manchmal auch auf den fertigen, trockenen Putz aufgemalt. Wie dem auch sei, ein Rundgang durch den Ort gleicht der Besichtigung einer Gemäldegalerie.

 Lüftlmalerei

Zwischen Augsburg und Venedig fuhren die Händler auf einer ehemaligen Römerstraße durch die Alpen. Entlang dieser Route, speziell in Oberammergau und in Mittenwald entstanden die ersten Zentren der Lüftlmalerei, die bis zum heutigen Tag bei der Fortsetzung der Tradition der Fassadenmalerei eine herausragende Rolle spielen.

 Oberammergau

Der Passionsort Oberammergau ist berühmt für seine mit Lüftlmalerei verzierten Häuser. Überall prägen die bunten Fassaden das Ortsbild. Weniger bekannt ist allerdings, das Oberammergau der Ursprungsort der so typischen bayerischen und tiroler Lüftlmalerei ist. Der berühmteste Vertreter seiner Zunft war der Oberammergauer Franz Seraph Zwinck. Er war der prägende Lüftlmaler Oberammergaus und Umgebung und wohnte zeitweise in einem Haus "Zum Lüftl" - daher wahrscheinlich auch der Name der Maltechnik. Beispiele seines Schaffens im Passionsort sind die Außenfassaden am Pilatushaus, am Forstamt, am Kölblhaus und am Geroldhaus am Sternplatz. Die farbige Gestaltung der Hausfassaden sollte zum einem die Illusion von Architektur - Säulen, Treppenanlagen, Fenster und Türen - vermitteln, die gar nicht vorhanden war. Zum anderen wurde mit der Darstellung von Heiligen und biblischen Szenen auf den Außenwänden die Gläubigkeit der katholischen Bevölkerung dargestellt.

Die wichtigste Persönlichkeit war (wie bereits erwähnt) damals der Künstler Franz Seraph Zwinck. Er wurde 1748 in Oberammergau geboren und hat in den beiden Zentren der Lüftlmalerei mehrere, heute noch erhaltene, Fassaden bemalt. Da der Künstler in Oberammergau das Haus "Zum Lüftl" bewohnte, wird vermutet, dass die Bezeichnung Lüftlmalerei auf den Namen dieses Hauses zurückgeht.

Kiefersfelden

Charakteristisch für die bayerische Fassadenmalerei sind die Darstellungen von architektonischen Bauteilen, wie z.B. Säulenportalen, Fenstereinfassungen und Stuckaturen, unter gleichzeitiger Integration von Motiven aus der christlichen Glaubenslehre.

 Bad Tölz

Daneben werden aber auch Bilder aus der bayerischen Geschichte und dem Alltag sowie Berge und Landschaften dargestellt. Da die Tradition der Lüftlmalerei durch mehrere Künstler bis zum heutigen Tag fortgesetzt wird, kann man auch auf neuen Häusern diese kunstvollen Darstellungen bewundern.

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